Bevor wir uns die Motivation anschauen, einige möglicherweise harte Tatsachen. Allein in Deutschland erscheinen jedes Jahr 60.000 neue Bücher. Maximal 1% davon erreichen Verkäufe jenseits der 5.000. Alle anderen krebsen auf den hinteren Plätzen bei Amazon und anderen Händlern herum und werden von fast niemandem wahrgenommen. Manchmal ist das auch gut so. Ich lese viele Bücher, auch mehrere zum gleichen Thema. Daher weiß ich, dass wahrscheinlich 50% der Neuerscheinungen völlig überflüssig sind. Das gilt jedenfalls für mein Genre, die Fachbücher. Über Romane und andere Belletristik-Titel müssen wir nicht diskutieren; das ist weitgehend eine Frage des Geschmacks und der Vorlieben. Allen Titeln ist aber eines gemeinsam: Die öffentlichen Rezensionen geben einen guten Überblick über den Teil der Zielgruppe, der sich artikuliert. Sie geben eben nicht einen Überblick über objektive Tatbestände und Qualitäten. Das tun die Bestseller-Listen und das Volumen der Buch-Verkäufe.

Noch eines haben alle Neuerscheinungen gemeinsam: Vermutlich steht hinter jedem neuen Titel ein Autor, der davon träumt, einen Bestseller gelandet zu haben und der von großen Folgeauflagen träumt.

Die Hauptmotivation vieler Autoren ist demnach, gekauft und gelesen zu werden. Zwar höre ich in persönlichen Gesprächen immer wieder mal Anderes (kommt gleich), aber es soll mir niemand erzählen, dass er ein Buch publizieren will, nur, dass es nicht gekauft wird. Lächerlich!


Viele Autoren haben noch ein anderes Motiv, nämlich stolz darauf sein zu dürfen, dass ein gedrucktes Werk existiert, das ihren Namen trägt. Dazu kommen wir noch im Kapitel „Der Stolz auf ´s eigene Buch“. Nichts ist falsch daran, stolz auf ´s eigene Werk zu sein, vor allem dann, wenn es ein Erstlingswerk ist. Aber die meisten Autoren wären noch viel stolzer, wenn sich der Erfolg auch auf ihrem Kontoauszug ausdrücken würde.


Ein weiteres anzutreffendes Motiv ist der Auftrag eines Verlages, diese oder jene Serie mit einem weiteren Titel zu ergänzen. Auch daran ist natürlich nichts falsch. Trotzdem ist das keine Garantie für Erfolg. Als mein Buch „Die Küche Mallorcas“ in der ersten Auflage bei einem der damals führenden Verlage erschien, war es ein Teil einer Buchserie. Alle Titel kamen mit gleicher Aufmachung daher. Man hätte vermuten können, dass viele Käufer Lust hätten haben können, alle Titel der Serie zu besitzen. Was ich vergessen hatte zu fragen war: „Wie viele Bücher der Serien habt ihr denn schon verkauft?“. Ich war damals noch nicht so schlau. Aber ich war damals schon Marketier und hatte die Motivation, einen Bestseller zu machen. Ich habe dem Verlag ein tolles Angebot gemacht, was ich persönlich dafür tun hätte können. Sie haben es abgelehnt, weil ihnen eine Marketing-Denkweise offenbar fremd war. Und ich war stolz darauf, Autor bei einem großen Verlag zu sein und begrenzte meine Motivation darauf. Das Ergebnis waren unterirdisch schlechte Verkäufe. Diese Art der Motivation hat offenbar nicht ausgereicht.
Andere Menschen wiederum haben die Motivation, schreiben zu lernen. Auch daran ist nichts grundsätzlich falsch. Möglicherweise schafft ein Autor ja so den Durchbruch und wird entdeckt (so wie Joanne K. Rowling). Wenn das Ergebnis aber Enttäuschung sein sollte, war das Projekt falsch angelegt. Da wären als Zielgruppe Lesegruppen, Freundeskreise und eigene Lesungen in befreundeten Buchhandlungen die billigere Lösung gewesen. Eine Lösung mit direkten Rückmeldungen.


Ich kenne auch Autoren, die schreiben, weil sie so sehr persönliche Geschenke für ihren Freundeskreis schaffen wollen. Wenn das das Ziel ist, und sonst nichts, kann ich nur empfehlen es zu tun. Ich kann mich gut erinnern, welche Wirkung mein erstes Buch auf meine Kunden hatte „CBT in der Praxis“. Nie hätte das Überreichen einer Visitenkarte einen ähnlichen Eindruck gemacht, als das Überreichen meines Buches (auch in einem renommierten Verlag erschienen).


Und schließlich gibt es die Autoren, die antreten, um Geld mit ihren Büchern zu verdienen. Geld kann ein Nebeneinkommen bedeuten, aber auch der erste Schritt zu einem Haupteinkommen. Wenn man nicht den absoluten Glückstreffer landet, wird man allerdings erleben müssen, dass ein einziger Titel nie zu einem nennenswerten Haupteinkommen führen wird. Selbst wenn ein einziger Buchtitel zum Beispiel €5.000 pro Monat abwerfen sollte (was für viele ein Haupteinkommen wäre), wird man erkennen müssen, dass jedes Buch seinen Lebenszyklus hat. Jedes Buch ist nur eine gewisse Zeit im Zenit seines Lebenszyklus. Danach werden die Verkäufe nachlassen. Bücher, wie die Bibel, Harry Potter und Michael Endes „Momo“ sind Ausnahmen. Die haben es geschafft, Evergreen-Themen zu sein. Ein normaler Autor wird also immer neue Bücher nachlegen müssen, um immer eines oder zwei zu haben, die sich im Zenit ihres Zyklus befinden. Und dort landen sie übrigens auch nicht aus Versehen, sondern durch richtiges Marketing. Bei der katholischen Kirche ist es sowas wie eine Todsünde, keine Bibel zu haben. So eine Vertriebs-Organisation muss man erst mal haben.


Es gibt Autoren, die befassen sich mit Nichts anderem als dem Verfassen von Schulbüchern. Das ist so etwas wie eine Lebensversicherung. Allerdings haben die Verlage feste Autoren-Teams, auf die sie sich verlassen können und die mit diesem etwas trockenen, wissenschaftlich angehauchten Stoff zufrieden sind. Ein Neuling hat da eher keine Chance, einzudringen.


Viele Autoren haben die Motivation, anderen etwas beizubringen. Ich selbst komme aus dem Bildungswesen und weiß, wie bildungs-resistent diese Gesellschaft ist. Bevor ich mich heute der Motivation „Oberlehrer“ sein zu wollen hingebe, stelle ich diese unbequemen Fragen: „Wer will das wissen?“ und „Wer wird das kaufen?“. Das festzustellen gibt es probate Mittel. Oft genug wird das Ergebnis Ernüchterung sein. Bevor ich heute jemanden etwas beibringe, führe ich es zuerst einmal für mich selbst zum Erfolg. Und dann müsste man mir dieses Wissen auch zuerst abpressen. Es sei denn … aber das ist eine andere Geschichte und die soll später erzählt werden.


In den Checklisten später im Buch kannst Du Deine Motivation selbst ermitteln. Gehe davon aus, dass keine der angesprochenen Motivationen weniger gut oder besser ist. Jeder soll selbst entscheiden, was für ihn der antreibende Faktor ist. Aber es ist sinnvoll, zuerst einmal das ganze Spiel zu überblicken, bevor man entscheidet dieses
oder jenes zu tun oder zu lassen.

Gehe davon aus, dass die Motivation der Die-PublikationsWerkstatt immer sein wird, wertvolle Botschaften flächendeckend so unter ´s Volk zu bringen, dass auch attraktive Erträge erwirtschaftet werden.

Mehr: https://akademie.hansjanotta.com/einladung/

4 Kommentare
  1. Mila sagte:

    Hallo liebe Publikationswerkstatt :-),

    der Artikel gefällt mir, aber eines kann ich nicht unterstreichen: „Die öffentlichen Rezensionen geben einen guten Überblick über den Teil der Zielgruppe, der sich artikuliert. Sie geben eben nicht einen Überblick über objektive Tatbestände und Qualitäten. Das tun die Bestseller-Listen und das Volumen der Buch-Verkäufe.“ Da muss ich direkt widersprechen. Es standen in meinen Augen bereits Bücher auf Bestseller-Listen, die tatsächlich wirklich schlecht waren. Und es gibt Schätze unter den 60.000 Büchern, die leider kaum jemand entdeckt und die folglich nie auf irgendeiner Liste auftauchen werden. Bestseller-Listen stellen alleine die Verkaufszahlen objektiv dar, aber nicht die Qualität. Denn ich glaube nicht, dass zum Beispiel „Feuchtgebiete“ ein wirklich herausragendes Buch ist – allein von der literarischen Seite her betrachtet :-). Es mag vielleicht für manchen einen Unterhaltungswert besitzen … aber auch diese Dinge sind alle subjektiv.

    Liebe Grüße
    Mila

    Antworten
    • Hans Janotta sagte:

      Liebe Mila,
      ja,das stimmt alles, was Du schreibst. Möglicherweise unterscheiden sich die beiden Genres „Belletristik“ und „Fachbuch“. Im Bereich Belletristik geht es viel mehr um Emotionen und Geschmack. Insofern werden dort objektive Kriterien als Messlatte schwer einführbar sein. Das hat nicht mal Marcel Reich-Ranitzky in seiner Sendung „Das literaische Quartett“ geschafft.
      Bei Fachbüchern ist es sehr viel leichter „objektiv richtig“ zu sein, weil eben viel Vergleichbares auf dem Markt ist. Es sei denn, es geht nicht nur um Wieg- und Messbares, sondern um Strategie und Philosophie. Da würde ich Rezensionen mit qualifiziertem Text eher vertrauen. Im Bereich „Fachbuch“ ist es möglicherweise auch schwerer, einen „Schatz“ zu entwickeln. Ich zum Beispiel bin der Meinung, das Buch „Denke nach und werde reich“ von Napoleon Hill ist flach und schon so hundertmal publiziert. Trottzdem befinde ich mich im Gegensatz zur Masse der Buchkäufer. Wer sollte also recht haben?
      Was ist das Fazit? Die einzige Messlatte sind dann eben die Buchverkäufe. Und mit steigender Anzahl von verkauften Büchern, wird auch die Anzahl der Rezensionen steigen. Das wird dann die einzige sichtbare Aussage zum Erfolg, und damit auch zur Qualität sein.
      Beste Grüße Hans

      Antworten
    • Hans Janotta sagte:

      Hallo, nochmal ich,
      möglicherweise gab es ein Mißverständnis durch meinen Artikel. Ich wollte ausdrücken, dass Rezensionen (und social Posts), eben kein objektives Ergebnis der gesamten Zielgruppe darstellen, sondern nur einen Rückschluß auf den sich artikulierenden Teil der Zielgruppe zulassen. Das ist genau das gleiche Problem, wie bei Wahlen. Wir bekommen kein realistisches Abbild der Gesellschaft, sondern des Teils, der wählen geht. Und das ist bei Rezensionen genau so. Interessant wäre eine soziologische Studie über das Verhalten der Internet-Aktiven und deren Bedeutung.
      Blöd ist nur, dass sich potentielle Käufer nur an den möglicherweise verschobenen Rückmeldungen dieses Teil der Community orientieren können.
      Ciao Hans

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    • Hans Janotta sagte:

      Kann ich so stehen lassen. Allerdings verraten sich schlechte Rezensionen gegenüber guten auch durch die Sprache.

      Antworten

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